Bunte Innenwelten
Gefangen in der eigenen Stille
 

Clara erzählt von ihrem Leben mit selektivem Mutismus, prägenden Erfahrungen in ihrer Kindheit, sexueller Gewalt & ihrem Leben in einer Wohngruppe. Sie erzählt davon, wie sich das Schweigen auf ihren Alltag auswirkt & wie sie gelernt hat, mit Situationen umzugehen, in denen Sprechen für sie nicht einfach möglich ist.


Julia:
Viele Menschen kennen selektiven Mutismus gar nicht. Kannst du kurz erklären, was das überhaupt ist?

Clara:
Ja, das bedeutet, dass ich mit Menschen in manchen Situationen nicht reden kann oder will, weil ich zu unsicher bin.

Julia:
Wie würdest du jemandem erklären, was in dir passiert, wenn du eigentlich etwas sagen möchtest, aber nicht kannst?

Clara:
Ich mache mir Gedanken: Was denken die Leute, wenn ich antworte? Sind meine Antworten gut? Sind sie perfekt? Sind sie genau das, was ich sagen will? Da mache ich mir sehr viel Druck.

Julia:
Weißt du dann nicht genau, was du eigentlich sagen willst, und bekommst die losen Gedanken nicht geordnet? Oder weißt du ganz genau, was du sagen willst, und hast einfach eine Blockade?

Clara:
Manchmal weiß ich es, manchmal nicht. Das ist immer unterschiedlich.

Julia:
Fällt dir eine konkrete Situation ein, damit wir es besser verstehen können?

Clara:
Es gab eine Situation in der Realschule. Eine Gruppe ist auf mich zugekommen und hat gesagt: ‚Du stehst immer allein herum. Wir wollen dir ein bisschen Gesellschaft leisten.‘ Irgendwann hat eine Person gefragt: ‚Magst du mich nicht?‘ Ich habe mit ‚Nein‘ geantwortet. Danach dachte ich, ich hätte eigentlich ‚doch‘ sagen sollen. Ich habe es aber nicht geschafft, noch ein Wort herauszubringen und es zu berichtigen.

Julia:
Welche Auswirkungen hatte das? Sie hatten ja eine falsche Antwort von dir bekommen und dachten dann, dass du sie nicht magst. Was ist danach passiert?

Clara:
Dann haben sie mich in Ruhe gelassen. Ich dachte: Mann, da hättest du ein bisschen Gesellschaft gehabt. Leute, auf die du gar nicht zugehen musst – sie kommen zu dir. Du hast eine Chance und dann hast du sie in den Wind gehauen. Das fand ich schade.

Julia:
Hast du es später trotzdem geschafft, das noch einmal anzusprechen? Oder war der Zug für immer abgefahren und du konntest den Kontakt nicht mehr herstellen?

Clara:
Eigentlich war der Zug für immer abgefahren.

Julia:
Warst du deshalb während deiner Realschulzeit sehr allein?

Clara:
Ich hatte meine Schwester. Sie war wahrscheinlich genervt, dass ich immer zu ihr kam. Ansonsten bin ich nie auf Leute zugegangen.

Julia:
Das ist eine massive Auswirkung. Du warst in einem Moment sehr unsicher, hast eine Antwort gegeben, die falsch verstanden wurde, und hast es danach nicht geschafft, das zu berichtigen. Von außen wirkt das vielleicht wie eine Kleinigkeit, für dich war es aber keine. So etwas kann sich lange hinziehen und dazu führen, dass du nicht den Anschluss findest, den du dir eigentlich wünschst. Menschen von außen sehen oft gar nicht, welche Auswirkungen so eine Situation haben kann. Nicht immer ist alles so, wie es scheint. Oder wie siehst du das?

Clara:
Ich frage mich schon, wie die Leute sich das zusammengereimt haben: Warum spreche ich nicht? Haben alle gedacht, ich hätte keine Lust auf sie oder wäre arrogant? Oder dass es mir zu blöd wäre, mit ihnen zu reden? So wollte ich gar nicht rüberkommen. Ich weiß aber nicht, wie es bei den Mitschülern angekommen ist.

Chris:
Was hättest du damals gebraucht, damit das besser funktioniert?

Clara:
Es ist immer einfacher, wenn die Leute nett sind und etwas Geduld mitbringen. Manchmal hilft es, wenn sie nicht nur sagen: ‚Erzähl mal‘, sondern direkte Fragen stellen – auch lieber nicht mehrere Fragen am Stück, sodass man sie der Reihe nach abarbeiten kann. Wahrscheinlich würde ich zunächst recht kurze Antworten geben. Mit der Zeit kommt dann mehr. Das hat sich inzwischen etwas verändert. Nett und geduldig, würde ich im Großen und Ganzen sagen.

Chris:
In der Situation war auch die Hemmung da, selbst auf die Leute zuzugehen. Was hättest du gebraucht, um das Gespräch zu beginnen? Wäre das überhaupt möglich oder in keinem Szenario denkbar gewesen?

Clara:
Früher hätte ich es wahrscheinlich tagelang mit meiner Schwester vorbesprechen müssen, wenn ich so etwas vorgehabt hätte. Ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass ich auf die Leute zugegangen wäre. Ich habe mich schon gefreut, wenn ich drei Worte am Tag gesagt habe.

Julia:
Dann hast du schon große Fortschritte gemacht. Sonst würden wir heute gar nicht hier sitzen. Irgendwann hast du dich entschieden, zu uns in die Gruppe zu kommen. Wenn man bedenkt, wie schwer es für dich ist, auf Menschen zuzugehen, finde ich es einen großen Schritt, dich bei einer Gruppe anzumelden. Wie kam es dazu?

Clara:
Ich weiß nicht mehr, wer die Idee hatte. Ich hatte aber schon mit meiner Bezugsperson hier im Haus darüber gesprochen. Sie hat sich gewundert, wie schnell es ging. Ich habe selbst das Anmeldeformular ausgefüllt und mich irgendwann entschlossen: Das will ich jetzt ausprobieren. Irgendwie hat es mich gereizt.

Julia:
Wie ist es für dich, während der Treffen in der Gruppe zu sein? Du möchtest dazugehören, aber wir merken immer wieder, dass es dir schwerfällt, dich einzubringen. Wie geht es dir damit?

Clara:
Meistens bin ich angespannt, glaube ich, und unsicher.

Julia:
Warum gehst du trotzdem zur Gruppe? Wenn du dort eher angespannt und unsicher bist, muss es ja eine Motivation geben, dich dem wöchentlich zu stellen. Was motiviert dich, Dinge zu tun, die dir schwerfallen?

Clara:
Man hat dort ein bisschen Kontakt, auch wenn man nur zuschaut. Es ist etwas Abwechslung und das Gefühl, einmal unter Gleichaltrigen zu sein. Man hört, was bei den anderen so los ist, und erlebt etwas anderes. Außerdem kann ich herausfinden, wo meine Probleme überhaupt liegen, was mir gerade schwerfällt und woran ich arbeiten könnte.

Julia:
Würdest du sagen, dass die Gruppe dir dabei hilft?

Clara:
Ja.

Julia:
Das ist schon einmal gut. Dann ist das, was dort passiert, nicht umsonst. Ich finde es bewundernswert, dass du es immer wieder versuchst, obwohl ich weiß, wie schwer es dir fällt. Du bist Teil der Gruppe und wir haben dich gern dabei. Ich finde es manchmal schade, dass dieses Gefühl nicht bei dir ankommt. Warum fällt es dir schwer, es anzunehmen, wenn jemand sagt: ‚Wir mögen dich und haben dich gern dabei‘?

Clara:
Die Zweifel kommen jedes Mal aufs Neue. Wahrscheinlich liegt es am Selbstwert.

Chris:
Gibt es einen Unterschied zwischen Menschen, bei denen du dich sicher fühlst, und Menschen, bei denen du kaum sprechen kannst?

Clara:
Ja, auf jeden Fall. Da ist zunächst meine Familie; dort kann ich gut sprechen, zumindest mit zwei Personen. Bei meinem Vater fällt es mir etwas schwerer. Ansonsten kommt es darauf an, wie nett die Leute sind und in welcher Situation ich gerade bin.

Chris:
Was genau meinst du mit ‚wie nett die Leute sind‘? Gibt es bestimmte Eigenschaften, an denen du festmachen kannst, ob du dich beim Reden wohler fühlst?

Clara:
Wenn jemand schroff zu mir ist, fällt es mir natürlich schwerer. Dann denke ich: Habe ich dir etwas getan? Sollte ich mich jetzt schuldig fühlen? Dann fällt es mir nicht leicht zu reden.

Julia:
Du sagst, deine Familie gibt dir Sicherheit. Sie schafft einen Rahmen, in dem du dich wohlfühlst und frei sprechen kannst. In der Gruppe fällt dir das öfter schwer. Liegt das an der Ausstrahlung der Gruppe, an einzelnen Personen oder an etwas anderem? Wo siehst du die Unterschiede?

Clara:
Zum einen kenne ich meine Familie länger. Zum anderen fällt es mir in Gruppensituationen schwerer, zu reden oder ein Referat zu halten.

Julia:
Was könnte man tun, um diese Sicherheit herzustellen? Würde es dir zum Beispiel helfen, wenn wir eine Gruppenstunde machen, in der du erzählen kannst, welche Schwierigkeiten du hast? Oder wäre es zu viel, vor allen zu sprechen? Würden dir Einzelgespräche helfen? Was könnte dazu beitragen, dass du dich besser verstanden und dadurch sicherer fühlst?

Clara:
Mich einfach frei erzählen zu lassen, ist immer schwierig. Man kann mir Fragen stellen.

Julia:
Wir sitzen jetzt zu dritt hier. Angenommen, die ganze Gruppe wäre anwesend und hier säßen zehn bis fünfzehn Leute. Könntest du die Fragen dann genauso beantworten wie jetzt? Was wäre anders?

Clara:
Würden die anderen dazwischenreden? Würden die anderen mich anstarren?

Chris:
Wir würden dir sehr gespannt zuhören.

Clara:
Ich glaube, es würde mir schwerfallen.

Julia:
Würde es leichter, wenn wir alle mit dem Rücken zu dir säßen? Oder wäre das zu cringe?

Clara:
Ja, vielleicht.

Julia:
Das könnte man weiter ausarbeiten. Vielleicht wäre es tatsächlich eine gute Möglichkeit, damit du dich wohler fühlst. Das würde ich mir sehr wünschen.

Chris:
Es ist interessant zu sehen, dass schon kleine Dinge einen Unterschied machen können.

Julia:
Ja, finde ich auch.

Chris:
Du hast gesagt, dass freies Reden schwierig ist und Fragen besser funktionieren. Hast du manchmal trotzdem das Bedürfnis, jemanden einfach vollzulabern – zum Beispiel deine ganze Lebensgeschichte zu erzählen –, wenn du es könntest?

Clara:
Ein Mitteilungsbedürfnis habe ich schon. Ob ich jemanden volllabern kann, weiß ich nicht. Das hat seine Grenzen.

Julia:
Gilt das auch bei Menschen, die dir sehr nahestehen, zum Beispiel deiner Schwester? Könntest du ihr freier alles von der Seele reden, was gerade da ist?

Clara:
Ja, das kann ich schon.

Julia:
Und passiert das auch manchmal?

Clara:
Die Sache ist, dass ich bei ihr einen Haufen Scheiße dazwischenlabere. Ich bin immer wieder unernst und mache unnötige Kommentare. Das passiert viel öfter, als dass ich ernsthaft rede. Die Arme.

Julia:
Ich feiere diese Kommentare. Manchmal rutschen sie dir auch bei uns in der Gruppe heraus, und ich denke: Das ist ein Banger. Eigentlich bist du eher ruhig, aber dann kommt manchmal etwas von dir, das dich auch auszeichnet. Diese Seite darf da sein. Ich finde es sehr schön, wenn sie sich zeigt.

Clara:
Aber man muss das nicht übertreiben.

Julia:
Du darfst dir aber auch erlauben, dass diese Seite da ist. Du musst dich nicht unsicher fühlen oder denken, ein Kommentar wäre unangebracht. So, wie ich es erlebt habe, ist alles völlig in Ordnung. Es ist schön mitzuerleben, dass jemand, dem es so schwerfällt, Teil der Gruppe zu sein oder etwas zu erzählen, auch einmal einen lockeren Kommentar heraushauen kann. Das ist sehr erfrischend.

Chris:
Es ist nicht der Anspruch an Gespräche, immer ernst zu sein. Du kannst in Zukunft gern mehr Kommentare heraushauen. Das ist sehr witzig.

Julia:
Setzt dich das unter Druck, wenn jemand sagt, du könntest das gern häufiger machen?

Clara:
Ein bisschen, ja.

Chris:
Es ist nur eine Einladung, wenn du das möchtest. Die Gedanken scheinen ja in deinem Kopf vorhanden zu sein.

Julia:
Ich glaube, in diesem Gespräch wird sehr deutlich, wo dein Problem liegt. Solche authentischen Situationen finde ich immer gut. Kommen wir zu den weiteren Themen: Wie beeinflusst der selektive Mutismus deinen Alltag, zum Beispiel bei Freundschaften, Terminen oder beim Kennenlernen neuer Menschen? Fangen wir mit Terminen an. Wie läuft es für dich ab, einen Termin zu vereinbaren, hinzugehen und dich dort anzumelden? Was sind dabei deine Gedanken?

Clara:
Telefonieren ist mir früher schwerer gefallen. Jetzt geht es schon etwas besser. Ich muss mir immer zurechtlegen, was ich sagen möchte.

Julia:
Und wenn du dann vor Ort bist?

Clara:
Früher habe ich immer meine Mutter mitgenommen. Oder eher: Meine Mutter hat mich mitgenommen. Sie hat immer geredet und die ganze Verantwortung übernommen.

Julia:
Hat es dir das leichter und angenehmer gemacht, oder hat es dich auf deinem Weg, das selbst zu lernen, auch ausgebremst?

Clara:
Es hat mich auch ausgebremst. Ich weiß, dass sie es gut gemeint hat, weil wir beide nicht wussten, wie es anders gehen sollte. Aber wenn ich früher hätte üben müssen, hätte ich es auch früher gekonnt.

Julia:
Wenn du dich mit deinem früheren Ich vergleichst, ist inzwischen schon etwas passiert. Ist es heute möglich, Termine allein auszumachen und wahrzunehmen, oder brauchst du noch Begleitung?

Clara:
Ich mache noch nicht alle Termine selbst aus, aber es geht besser als früher.

Julia:
Zu uns kommst du allein. Ist das jedes Mal eine Herausforderung oder inzwischen Routine?

Clara:
Routine ist es nicht. Das ist jedes Mal noch so ein "Geh ich hin? Geh' ich nicht hin?"

Julia:
Wie ist es mit Freundschaften? Lassen sie sich mit dem selektiven Mutismus vereinbaren? Wie erlebst du das persönlich?

Clara:
Ich kenne zwei Leute, die dort wohnen, wo ich früher gewohnt habe. Ich sehe sie nicht so oft, weil das Zugfahren für mich anstrengend ist. Wir schreiben auch kaum miteinander. Wenn ich drüben bin und Urlaub vom Haus mache, sehen wir uns in der Woche oder den zehn Tagen, die ich dort bin, meistens einmal. Manchmal fällt es mir schwer, mit ihnen zu reden. Wenn man erst einmal im Gespräch ist, fällt es leichter.

Julia:
Wie gehen sie mit deiner Erkrankung um? Haben sie dafür Verständnis?

Clara:
Ich weiß gar nicht, ob die Erkrankung in ihren Köpfen so präsent ist. Man versucht es so, wie es eben geht. Keine Ahnung.

Julia:
Werfen sie dir nicht vor, dass du dich selten meldest, ihr euch nicht häufig seht und du wenig redest, wenn ihr euch trefft?

Clara:
Vielleicht rede ich dort auch ein bisschen mehr.

Julia:
Wenn das Verständnis von ihrer Seite da ist, kannst du Schritt für Schritt überlegen, welchen Schritt du angehen möchtest und was sinnvoll ist. Bei sozialen Ängsten ist es oft ähnlich. Der Austausch in der Gruppe könnte ein erster Ansatz sein. Wenn du dich mit jemandem austauschen könntest, der ähnliche Probleme hat, könntet ihr darüber sprechen, welche Erfahrungen andere gemacht haben, welche Schritte ihnen möglich waren und welche Strategien geholfen haben. Du lebst in einer Wohngruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen, damit du lernen kannst, besser mit deiner Erkrankung umzugehen und dabei unterstützt wirst. Was hat sich in deinem Leben verändert, seit du hier bist?

Clara:
Ich lerne, selbstständiger zu werden. Als ich bei meiner Mutter wohnte, ist mir das schwergefallen. Meine Schwester oder meine Mutter haben immer etwas für mich übernommen. Davor war ich in einem anderen Wohnheim, in dem es ein Jahr lang nicht so gut lief. Hier merke ich, dass ich Schritt für Schritt vorankomme und es besser wird.

Julia:
Das hört sich schon einmal sehr gut an. Es freut mich, dass du Fortschritte machst. Leider ist auch sexuelle Belästigung in deiner Vergangenheit ein Thema gewesen. Wir müssen darauf gar nicht näher eingehen. Glaubst du, dass es einen Zusammenhang mit dem selektiven Mutismus gab und du dich in der Situation deshalb nicht getraut hast, Grenzen zu setzen oder dich zu wehren? Dass du gewissermaßen auch Opfer des selektiven Mutismus wurdest und dir deshalb so etwas passiert ist?

Clara:
Ich glaube, dass vieles zusammenspielt. Kann ich meine Grenzen äußern? Teilweise schon. Wenn ich jedem einfach gleich antworten könnte, wäre es mir vielleicht leichter gefallen, in dem Moment etwas zu sagen, für mich einzustehen oder später jemandem davon zu erzählen. Dann hätte ich nicht so lange gewartet, man hätte vielleicht noch etwas unternehmen können und ich hätte mich selbstwirksamer gefühlt.

Julia:
Leider geraten Opfer sexuellen Missbrauchs häufig in eine Schockstarre, in diesen Freeze-Moment. Ich hoffe, dir ist bewusst – und war es immer –, dass es absolut nicht deine Schuld ist, nur weil du in dem Moment wegen deiner Erkrankung nichts sagen konntest. Hast du dich selbst schuldig gefühlt, weil du nichts gesagt hast? Wie bist du danach damit umgegangen?

Clara:
Ich glaube, ich habe es lange vor mir hergeschoben. Ich habe immer angezweifelt: Ist es wirklich passiert? Ich will niemandem etwas aufbürden, das falsch ist. Ich will mir nichts ausdenken. Ich habe es immer wieder angezweifelt.

Julia:
Das ist sehr traurig. Aber es ist gut, dass du heute darüber reden kannst. Wie war es für dich, als du dich jemandem geöffnet hast? Hast du Gehör und die Hilfe gefunden, die du gebraucht hast?

Clara:
Bei den beiden Menschen, denen ich es erzählt habe, habe ich Gehör gefunden. Aber was macht man dann? Man redet darüber und verarbeitet es. Mehr habe ich irgendwie nicht gemacht.

Julia:
An dieser Stelle möchte ich alle, die das hören oder lesen, darauf hinweisen, dass es Selbsthilfegruppen für Frauen gibt, die Gewalt erfahren haben – zum Beispiel auch in Amberg. Außerdem gibt es das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen und den WEISSEN RING. Der WEISSE RING berät unter anderem Menschen, die Anzeige erstatten möchten, sich aber keinen Rechtsbeistand leisten können. Es gibt viele Hilfsmöglichkeiten, wenn man Opfer von Gewalt wird – unabhängig davon, ob es um sexualisierte Gewalt oder eine andere Form von Gewalt geht und unabhängig vom Geschlecht. Betroffene haben immer das Recht, sich zu wehren, mit jemandem zu sprechen und sich zunächst auch anonym beraten zu lassen. Man muss weder am Hilfetelefon noch vor Ort sofort seinen Namen nennen. Es gibt Menschen, die zuhören und unterstützen. Niemand muss damit allein bleiben. Ob man Anzeige erstattet, ist ein weiterer Schritt. Wichtig ist zunächst, überhaupt mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Was man danach daraus macht und was man selbst braucht, um sich besser zu fühlen, bleibt in den eigenen Händen. Ich wünschte, die Dunkelziffer wäre nicht so hoch und mehr Menschen würden sich trauen, sich zu wehren. Man hätte in einem solchen Fall natürlich Anzeige erstatten können. Die Verjährungsfristen sind in diesem Bereich lang, weil es nicht ungewöhnlich ist, dass Menschen, die sexualisierte oder andere Gewalt erfahren haben, lange Zeit nicht darüber sprechen können. Aus eigener Erfahrung kann ich nachvollziehen, wie viel Angst damit verbunden sein kann. Ich verstehe, wenn sich jemand dagegen entscheidet, etwas zu sagen. Am wichtigsten ist aber, damit nicht allein zu bleiben. Es gibt viele Menschen, die zuhören, beraten und unterstützen. Deshalb ist es uns wichtig, nicht nur zu entstigmatisieren, sondern auch aufzuklären. Wie fühlt es sich für dich an, dass diese Belästigung, obwohl sie länger zurückliegt, dein heutiges Leben noch so stark beeinflusst? Was ist durch dieses Erlebnis heute weniger möglich, als es ohne das Erlebnis wäre? Wo liegen die damit verbundenen Probleme im Alltag?

Clara:
Als ich in die Wohngruppe gezogen bin, kam es immer wieder vor, dass mich Menschen berührt haben. Es war nur an der Schulter, aber es hat mich sehr gestört. Wenn meine Mutter mich an der Hüfte anfasst, stört mich das auch sehr. Ich habe dann immer kurz aufgeschrien. Meine Mutter hat sich gewundert und gefragt, was los sei und warum ich mich so aufrege. Daran merke ich, dass das Erlebnis mich beeinflusst hat und noch immer beeinflusst. Seitdem bin ich sehr empfindlich gegenüber Berührungen.

Julia:
Hast du deswegen schon professionelle Hilfe erhalten, etwa von einem Therapeuten oder einer Therapeutin?

Clara:
Ich hatte schon mehrere Therapeuten, habe aber mit keinem darüber gesprochen.

Julia:
Wenn du merkst, dass du gern darüber sprechen möchtest, könnte man zum Beispiel ein Gespräch mit der Person vereinbaren, die die Selbsthilfegruppe für Frauen leitet, die Gewalt erfahren haben. Es muss dabei nicht darum gehen, wie du dich im Nachhinein noch wehren kannst. Durch das Erlebnis sind Folgen entstanden, die dich im Alltag beeinträchtigen. In solchen Gruppen sprechen Menschen darüber, wie sie damit umgehen, was ihnen hilft und wie sie wieder lernen können, sich sicher zu fühlen. Wenn du möchtest, können wir gern Kontakt aufnehmen.

Clara:
Das lasse ich mir einmal durch den Kopf gehen.

Julia:
Um dieses Thema nicht einfach so abzuschließen, möchte ich zwei Telefonnummern nennen: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 erreichbar. Männer, die Gewalt erfahren haben und sich an eine Beratungsstelle oder ein Hilfetelefon wenden möchten, erreichen das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 99 00. Kommen wir nun zu deiner Wohngruppe.

Chris:
Wie ist es für dich, heute in einer Wohngruppe zu leben, gerade weil du Schwierigkeiten mit sozialen Situationen hast?

Clara:
Ich habe mich langsam daran gewöhnt. Am Anfang war ich hier und dachte: Nein, das gefällt mir gar nicht, das taugt mir nicht, ich will weg, lasst mich in Ruhe. Langsam fällt es leichter. Man muss dem Ganzen Zeit geben. Ich merke, dass es mir deutlich leichter fällt, mit den Mitbewohnerinnen zu sprechen als mit den Menschen in der Selbsthilfegruppe.

Julia:
Glaubst du, das liegt daran, dass ihr mehr Zeit miteinander verbringt?

Clara:
Kann sein.

Julia:
Dann müssten wir uns wohl jeden Tag treffen und auch eine Wohngruppe aufmachen.

Chris:
Das ist tatsächlich so.

Julia:
Das wäre natürlich ein großer Wunsch. Ich freue mich aber, dass wir uns jede Woche sehen.

Chris:
Du hast gesagt, dass du mit den Menschen in der Wohngruppe schon besser reden kannst und dass das Zeit gebraucht hat. Denkst du, dass dir die Erfahrungen in der Wohngruppe auch den Weg in unsere Gruppe erleichtert haben, weil du dort bereits erste Erfahrungen in Gruppen gesammelt hattest?

Clara:
Vielleicht.

Chris:
Ist die Wohngruppe für dich eher ein Ort, an dem du dich sicher fühlst, oder manchmal auch eine neue soziale Herausforderung?

Clara:
Manchmal gibt es soziale Herausforderungen. Meistens ist es einfach Alltag und es fällt mir nicht besonders schwer, mit den Leuten umzugehen. Mit den Menschen aus anderen Häusern ist es manchmal schwieriger, aber mit ihnen habe ich nicht so viel zu tun.

Julia:
Fällt dir eine soziale Situation in der Wohngruppe ein, die dir schwerfällt oder eine Herausforderung für dich ist?

Clara:
Da fällt mir gerade nichts ein.

Julia:
Wie war es für dich, abzuklären, dass wir heute das Interview hier aufnehmen? War das eine normale, eingeübte soziale Situation oder schon eine Herausforderung, weil es ungewöhnlich ist, dass wir zu dir kommen?

Clara:
Es war einfach. Ich dachte schon: Jetzt musst du dich daran erinnern. Dann gehst du hin und sagst ihnen beim Mittagessen, was Sache ist. Daran musste ich denken, aber es war nicht voller Angst. Das war deutlich einfacher als früher. Früher hättest du bei den Leuten stehen, ihre Aufmerksamkeit erregen und vor ihnen reden müssen. Dann musst du dich auch noch erinnern: Was willst du überhaupt von ihnen?

Julia:
Wären früher wahrscheinlich auch Gedanken wie ‚Wie finde ich die richtigen Worte?‘ oder ‚Wie drücke ich mich nicht missverständlich aus?‘ in deinem Kopf gewesen? Du hättest es nicht einfach locker sagen können, sondern lange überlegt, wie du es richtig machst, oder?

Clara:
Wahrscheinlich hätte ich mir auf Papier aufgeschrieben, was ich genau sagen will.

Julia:
Schreibst du dir heute noch etwas auf, zumindest innerhalb der Wohngruppe?

Clara:
Für soziale Interaktionen nicht, höchstens beim Telefonieren.

Julia:
Siehst du deine Fortschritte selbst, oder klingt es für dich komisch, wenn wir dir sagen, dass wir etwas als Fortschritt wahrnehmen?

Clara:
Wenn ich darauf hingewiesen werde und mich zurückerinnere, sehe ich schon Fortschritte. Manchmal nehmen andere Menschen sie aber stärker wahr als ich. Meine Bezugsperson sagt mir immer: ‚Sie sind auf einem guten Weg.‘ Und ich denke: Wirklich?

Chris:
Ich denke, das ist bei vielen Erkrankungen so: Man selbst ist oft die letzte Person, die eine Veränderung bemerkt.

Julia:
Das ist bei mir auch so. Dieses ständige Zweifeln an sich selbst und die Frage, ob man etwas wirklich gut macht, gehören leider oft dazu. Wir führen kein normales Leben. Wir führen auch ein Leben, aber eben mit Einschränkungen. Das ist einfach so. Ich glaube, wir machen das alle ganz gut und sehen es selbst häufig nicht. Gibt es Dinge, die du heute kannst oder dich eher traust, die früher überhaupt nicht möglich gewesen wären? Kannst du ein Beispiel nennen, das die Schwierigkeiten deiner Erkrankung deutlicher macht?

Clara:
Vor Gruppen zu reden, fällt mir wahrscheinlich leichter.

Julia:
Ist das etwas, das du früher überhaupt nicht gemacht hättest? Zum Beispiel: ‚Ich hätte niemals irgendwo angerufen.‘ Gibt es noch etwas, das du heute trotz Herausforderungen, fehlender Motivation oder Unsicherheit machst, obwohl es früher undenkbar gewesen wäre?

Clara:
Ich habe schon an der Selbsthilfegruppe teilgenommen. Ich weiß nicht, ob ich mir das früher hätte vorstellen können.

Julia:
Ja, kann ich gut nachvollziehen.

Clara:
Früher hätte ich gedacht: Was soll ich denn da machen? Lass es lieber gleich sein, das bringt nichts.

Chris:
Du hast gesagt, dass du deine Erfolge selbst vielleicht weniger wahrnimmst als andere. Wenn du jetzt an früher zurückdenkst: Würdest du sagen, dass du heute insgesamt zufriedener mit dir oder deinem Leben bist?

Clara:
Es gibt verschiedene Aspekte. Im Großen und Ganzen bin ich schon zufriedener.

Julia:
Magst du auf diese verschiedenen Aspekte näher eingehen?

Clara:
Wenn man denkt: Die Kindheit war schön, meine Eltern waren noch nicht getrennt, dann denkt man manchmal schon, dass es damals anders war. Und jetzt ist man hier, irgendwo im Nirgendwo, in einem Kaff, in der Wohngruppe. Manchmal denkt man, es ist jetzt besser, und manchmal, es ist schlechter.

Julia:
Vorhin ist bei mir eine Frage aufgekommen, die jetzt gut passt: Wie kam es dazu, dass du die Diagnose selektiver Mutismus bekommen hast? Ich stelle es mir schwierig vor, zu erkennen, dass jemand nicht einfach nur schüchtern ist, sondern dass es sich um eine Erkrankung handelt. Wann hast du selbst gemerkt, dass es bei dir anders ist? Wie alt warst du ungefähr, als das zum ersten Mal ein Thema wurde?

Clara:
Ich weiß es nicht. Ich glaube, das ist lange her. Ich habe damals nicht verstanden, was diese Diagnose bedeuten soll. Sie stand einfach drin.

Julia:
Wer hat dir die Diagnose gegeben?

Clara:
Keine Ahnung.

Julia:
Warst du damals noch sehr jung?

Clara:
Ich weiß es nicht.

Julia:
Hängt es mit deiner Diagnose zusammen, dass du solche Dinge manchmal vergisst, oder ist es einfach Vergesslichkeit?

Clara:
Ich habe damals einfach nicht darauf geachtet. Ich dachte immer, soziale Phobie sei meine Diagnose. Damit konnte ich etwas anfangen. Das andere ging irgendwie damit zusammen, hat für mich aber keinen Sinn ergeben.

Julia:
Wie erklären die Ärzte das? Du hast auch selektiven Mutismus als Diagnose. Wo liegt für dich der Unterschied zwischen sozialer Phobie und selektivem Mutismus?

Clara:
Keine Ahnung.

Julia:
Ich kenne ein ähnliches Problem bei meinem ADHS und meiner emotional instabilen Persönlichkeitsstörung. Die Symptome beider Erkrankungen sind so ähnlich, dass es bei mir fast ein Wunder ist, beide Diagnosen bekommen zu haben. Normalerweise wird man eher in die eine oder die andere Schublade gesteckt. Deshalb interessiert es mich bei dir: Soziale Phobie und selektiver Mutismus weisen Ähnlichkeiten auf, zum Beispiel Schüchternheit oder die Angst, sich etwas zu trauen. Viele Symptome können ähnlich sein. Hast du dich jemals gefragt, wo genau der Unterschied liegt? Ich könnte mir vorstellen, dass es bei selektivem Mutismus eher ein wirkliches Nicht-sprechen-Können ist. Bei einer sozialen Phobie fällt das Sprechen vielleicht sehr schwer, aber die Blockade lässt sich mit sehr viel Überwindung eher durchbrechen. Bei selektivem Mutismus ist es in manchen Situationen möglicherweise unmöglich. Vielleicht täusche ich mich. Was sagst du?

Clara:
Ich sage nichts, ich habe keine Ahnung.

Chris:
Soziale Phobie beschreibt zunächst die Angst, von anderen Menschen verurteilt zu werden. Selektiver Mutismus bedeutet, dass jemand in bestimmten Situationen nicht spricht. Beides kann gleichzeitig auftreten. Nicht jeder Mensch mit sozialer Phobie hört aus Angst auf zu sprechen, aber es kann eine Reaktion sein. Dann kann beides vorliegen.

Julia:
Der Hauptunterschied liegt darin, dass selektiver Mutismus durch völliges Schweigen in bestimmten Situationen bei normaler Sprechfähigkeit definiert ist. Eine soziale Phobie beschreibt dagegen eine breite, intensive Angst vor negativer Bewertung in verschiedenen sozialen Interaktionen und Leistungssituationen, wobei Betroffene in der Regel dennoch sprechen. Der Kern des selektiven Mutismus ist also anhaltendes Schweigen in bestimmten Umgebungen, zum Beispiel in der Schule oder im Kindergarten, während zu Hause oder im vertrauten Kreis fließend gesprochen wird. Du hast erwähnt, dass du mit zwei Menschen aus deiner Familie frei sprechen kannst. Gibt es andererseits Situationen, in denen du wirklich gar nichts sagen kannst?

Chris:
Wann ist das zuletzt passiert? War das vor Kurzem, im vergangenen Jahr oder vor zehn Jahren?

Clara:
Ich weiß noch, dass ich eine Schulaufgabe hatte. Der eine hat mir noch reingedrückt, dass er seinen Nachmittag verlegen muss, weil ich noch diese Schulaufgabe habe und er eigentlich schon gehen könnte. Dann saßen dort noch zwei Lehrer, und es hieß: ‚Jetzt diskutieren wir mal.‘ Ich glaube, ich hatte irgendeine Vorbereitung. Dann sollte ich meine Schulaufgabe aufbauen.

Julia:
Hast du überhaupt noch etwas gesagt, oder hast du völlig geschwiegen?

Clara:
Ich habe höchstens etwas Kurzes gesagt, zum Beispiel: ‚Ich kann das nicht‘ oder ‚Das wird nichts mehr.‘ Zum Thema ist mir aber nichts eingefallen. Ich habe es nicht geschafft, wusste nicht, wohin es gehen sollte.

Julia:
Ich hatte einmal eine ähnliche Situation in meiner mündlichen Englischprüfung. Ich glaube, bei mir war es Prüfungsangst oder eine Blockade. Äußerlich bin ich selbstbewusst hineingegangen, innerlich war ein Tornado. Ich ging hinein, sagte: ‚Ich sage nichts‘, drehte mich um und ging wieder hinaus. Dafür bekam ich eine Sechs. Das war wahrscheinlich diese Prüfungsangst. Was du beschreibst, hört sich ähnlich an. Wenn ich hier einmal den – wie heißt das? – machen darf …

Chris:
Advocatus Diaboli – der Anwalt des Teufels.

Julia:
Genau. Man kann die beiden Dinge scheinbar unterscheiden, wenn man das Sprechverhalten beobachtet. Eine absolute Sprechblockade würde bedeuten, dass ein Kind in der Schule oder bei Fremden – oder auch eine erwachsene Person – über Monate hinweg kein einziges Wort spricht, auch nicht flüstert oder mit ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ antwortet. Dann spricht das stark für selektiven Mutismus. Wenn eine Person dagegen unter Angst spricht, etwa leise, unsicher, zittrig oder sehr einsilbig, die Kommunikation aber verbal bewältigen kann, liegt eher eine soziale Phobie vor. Ich finde es nicht schlimm, dass wir über selektiven Mutismus gesprochen haben und sich vielleicht eine neue Perspektive ergeben hat. Es hört sich danach an, als hättest du im Laufe der Jahre aus dieser Kombinationsdiagnose heraus gelernt, den selektiven Mutismus zu bekämpfen. Eine starke soziale Phobie ist natürlich ebenfalls schwierig, aber doch etwas anderes. Es freut mich, dass du scheinbar schon lange keine Situation mehr hattest, in der wirklich gar nichts ging. Oder ist dir noch etwas eingefallen?

Clara:
Nein, ich glaube, das ist schon sehr lange her.

Julia:
Das ist sehr gut und freut mich. Ich finde das toll. Zusammenfassend haben wir über deine Wohnsituation gesprochen: Du lebst in einer Wohngruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen und wirst dort im Umgang mit deiner Erkrankung unterstützt. Du hast uns erklärt, wie sich der selektive Mutismus für dich ausgewirkt hat, und Beispiele genannt. Wir haben außerdem darüber gesprochen, dass der selektive Mutismus oder eine starke soziale Phobie möglicherweise dazu beigetragen hat, dass dir schreckliche Dinge widerfahren sind und noch Gesprächsbedarf besteht. Besonders spannend fand ich den Gedanken, dass der selektive Mutismus heute vielleicht nicht mehr so stark im Vordergrund steht, weil du schon lange keine vollständige Sprechblockade mehr erlebt hast, und dass es sich inzwischen eher um eine starke soziale Phobie handeln könnte. Auch darüber, wie du die Situationen in unserer Gruppe meisterst, haben wir gesprochen. Gibt es etwas, das du Menschen mit auf den Weg geben möchtest, die Ähnliches erleben – sei es im Zusammenhang mit selektivem Mutismus, einer starken sozialen Phobie, sexuellem Missbrauch in der Vergangenheit oder dem Leben in einer Wohngruppe? Gibt es noch etwas, das wir nicht besprochen haben und das du gern erwähnen möchtest?

Clara:
Da fällt mir auch nichts ein.

Julia:
Bist du zufrieden mit dem, worüber wir heute gesprochen haben?

Clara:
Ja.

Julia:
Was war für dich das Wichtigste?

Clara:
Da ist mein Kopf leer. Keine Ahnung.

Julia:
Gibt es noch irgendetwas, das du loswerden möchtest?

Clara:
Nein.

Julia:
Danke, dass du dich bereit erklärt hast, dieses Interview mit uns zu führen. Wir haben uns gefreut, einen tieferen Einblick zu bekommen. Vielen Dank, dass du da warst.

Clara:
Vielen Dank, dass ihr da wart.
 

Hinweis zur Anonymität: Der Name der interviewten Person wurde auf eigenen Wunsch geändert. „Clara“ ist ein frei gewählter Name.

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Kostenlos & anonym. Telefon, Chat & Mail möglich.

 

Nummer gegen Kummer

116 111 · kostenlos & anonym

Beratung für Kinder & Jugendliche bei Sorgen, Ängsten, Konflikten, Mobbing, Missbrauch, Essstörungen, Depressionen & Sucht.

 

SkF Amberg – Fachstelle für sexualisierte Gewalt

Haager Weg 15, 92224 Amberg

09621 4872-18

Beratung bei sexualisierter Gewalt, sexuellem Missbrauch & Belästigung – vertraulich, kostenlos & auf Wunsch anonym.

 

Notruf für Frauen & Mädchen:

09621 22200 · rund um die Uhr

 

Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch

0800 22 55 530 · kostenlos & anonym

Beratung bei sexuellem Missbrauch in Kindheit & Jugend – auch bei Verdacht, Unsicherheit oder einem unguten Gefühl.

 

WEISSER RING – Opfer-Telefon

116 006

Kostenlose Hilfe & Beratung für Menschen, die Opfer jeglicher Straftaten geworden sind.

 

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

116 016 · rund um die Uhr · kostenlos & anonym

Beratung bei körperlicher, psychischer & sexualisierter Gewalt.

 

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